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9|2010  Temporär

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Haute Cuisine statt Haute Couture

Im Nordosten Londons, gegenüber dem Gelände für die Olympischen Spiele 2012, soll nächstes Jahr das Einkaufszentrum Westfield Stratford City eröffnen. Auf dem Dach des Rohbaus thronte im Frühsommer das Restaurant »Studio East«. Seine Konstruktion bestand aus temporären Helfern der Baustelle – Gerüststangen, Bohlen und Baustellenplanen –, die für drei Wochen zu ätherischer Grandezza aufstiegen und, trotz aller Kritik an Details, eine ungewohnte, einzigartige und berauschende Atmosphäre schufen.

Glänzender Platzhalter

Sechs Pavillons dienen auf einem innerstädtischen Platz in Madrid für zwei Jahre als temporäre Markthallen. Sie wirken nicht wie ein unausgegorenes Provisorium – im Gegenteil. Allenfalls das leichte, kostengünstige und lichtdurchlässige Fassadenmaterial aus Polycarbonat verweist auf den temporären Charakter, im heißen Sommer Spaniens fordert es gewaltig die Klimatisierung.

Heute hier, morgen da

Nachhaltigkeit in Bezug auf Elektromobilität zu vermitteln, ist die Aufgabe der sogenannten smart urban stage. Der anpassungsfähige Pavillon tourt seit seinem erstmaligen Aufbau in Berlin in verschiedenen Größen als »überilluminierte« Ausstellung des Elektro-smart oder auch als Bühne für kulturelle Veranstaltungen durch Europa. Ein »fliegender« Bau mit ausgeklügelter Konstruktion und einer leichten Architektur.

Wider den Lärm

Der silbrig-kühle, spitzwinklige Pavillon auf dem Marstallplatz in München scheint trotz Dornen und Zacken beim Publikum anzukommen. Gerade wegen seines harten Kontrasts zur Umgebung belebt er wohltuend provokant den Platz. Die Entwurfsherleitung für die Gestaltung des Pavillons ist allerdings genauso kühn wie sein Outfit: Auf die Außenhülle wurden formal Musik-Sequenzen von Jimi Hendrix' und Mozart transkribiert. Kann Musik Ideengeber sein und sich ein temporäres, dünnes Leichtbauwerk für eine Opernaufführung eignen?

Gereiht und gestapelt

Der Hochseecontainer, offiziell Frachtcontainer bezeichnet, hat das Transportwesen revolutioniert. Aber auch in der Architektur treten, überwiegend für temporäre Bauten, vermehrt Container in Erscheinung. Eine Vielzahl realisierter Projekte demonstriert eindrucksvoll, dass die gestalterischen Möglichkeiten je nach Wahl der Containergröße und Art – Fracht- oder Baucontainer – weitaus größer sind als man es zunächst vermuten könnte.

Gesegnetes Provisorium

Origami, die japanische Papierfaltkunst, diente bei der Formfindung des kleinen Behelfsgotteshauses in der Französischen Schweiz als Ideengeber. Dank beispielhafter Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren entstand ein temporäres Gebäude, das schließlich alle in seinen Bann gezogen und von einer dauerhaften Daseinsberechtigung überzeugt hat.

… in die Jahre gekommen

Der ehemalige Pavillon des Landes Baden-Württemberg auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Stuttgart 1993, als temporäres Bauwerk geplant, dient schon seit 16 Jahren an anderem Standort als Ausstellungshalle des Deutschen Landwirtschaftsmuseums. Nur geringfügige Änderungen waren nötig, um den »fliegenden Bau« dauerhaft nutzen zu können.