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29.06.2010
Virginia, Rosenheim und Stuttgart auf dem Treppchen
Nun hat tatsächlich Virginia gewonnen - mit einem Haus, das das letzte Mal auf Platz 13 landete ... Aus dem ersten Solar Decathlon Europe, einem Hochschulwettbewerb um das energiesparendste Haus, ging am 27. Juni in Madrid das Team der Universität von Virginia/USA als Sieger hervor. Die Hochschule Rosenheim erreichte den zweiten Platz, die HFT Stuttgart den dritten. Es war eine knappe Entscheidung zwischen den ersten drei von 17 Häusern: Nur ein Punkt fehlte den Bayern und nur 4,5 Punkte den Baden-Württembergern, um die 811 Siegespunkte der Amerikaner einzuholen. Das »Lumenhaus« aus Virginia war zunächst kein Favorit, denn mit dem gleichen Haus erreichte das Team 2009 in Washington nur Platz 13. Modifikationen im Detail führten zum Sieg. Für Beobachter waren die einzelnen Punktvergaben unübersichtlich: Die zehn Kriterien splitteten sich auf in Unterkriterien oder wurden umbenannt. Der entscheidende Aspekt, die Bewertung der »Energiebilanz« fiel plötzlich einfach weg, dafür wurde lediglich der Ertrag der PV-Flächen gemessen und es gab nicht nur Bonuspunkte, sondern auch gleich noch Strafpunkte (nur ist nirgendwo erklärt, wofür eigentlich). Wie gut, dass die 190.000 Besucher ihren eigenen Favoriten ausmachten und selbst abstimmten: Das valencianische Projekt (Platz 9), dessen Patio-Architektur einen lichtdurchfluteten, aber privaten Innenraum ermöglichte, war zusammen mit dem »Fablab«, einem anderen spanischen Beitrag, Sieger der Herzen. Von außen erschien es allerdings etwas zu glatt: eine Fassade aus weißem Corian mit hochspiegelnden PV-Modulen. Platz 5 belegte das Projekt des finnischen Teams, ein nordisches Wohlfühlhaus mit einem Gesamtpaket aus edler Verarbeitung und schlichtem Design ganz ohne Hightech-Look. Die deutschen Beiträge waren sehr unterschiedlich: Das Projekt des Rosenheimer Teams überzeugte mit einer perfekten Verarbeitung und einer raffinierten Fassade, im Innern überforderten jedoch die auf Knopfdruck zu bedienenden Features. Das Team Stuttgart überraschte mit einem atmosphärischen Innenraum, stimmungsvollen Tageslichteinfall und Sinn für schöne Möbel- und Materialdetails. Von außen dominierte der technoide Eindruck, die Fassade in Gold-Bronze ist innovativ, aber Geschmacksache, die Freiraumsituation und die Verbindung von innen nach außen waren dagegen eher weniger geglückt. Das Wuppertaler Team, das den Platz 6 belegte, ernüchterte in der Umsetzung der Fassade: Der Metallvorhang z. B. verhinderte den fließenden Raum. Das Haus des Teams Berlin (Platz 10) konnte zwar ebenso in der Umsetzung weniger begeistern, hob sich aber mit einer detailliert durchdachten, asymmetrischen Satteldachkubatur von den Modulboxen anderer Teams ab und hätte einige Architekturpunkte mehr verdient.
Einen ausführlicheren Beitrag über den Solar Decathlon Europe und die Entwürfe mit deutscher Beteiligung finden Sie in unserer Juliausgabe, db 7/2010.
Aus Spanien: Rosa Grewe








